Erstmalig in der langjährigen Geschichte des renommierten Festivals Orgel PLUS war die Neuapostolische Kirche Aufführungsort, und zwar für das Konzert Orgel PLUS Harmonium und Klavier am Abend des 9. Januar 2014. Veranstalter des Festivals war das Kulturamt der Stadt Bottrop mit seinem künstlerischen Leiter Dr. Gerd-Heinz Stevens.
Dr. Stevens begrüßte die Anwesenden und wies darauf hin, dass das Konzert zudem als Preisträgerkonzert in Zusammenarbeit mit der Internationalen Orgelwoche Nürnberg angesetzt war. Nun sei einer der Preisträger, Sebastian Küchler-Blessing, jedoch erkrankt und werde von Stefan Pöll vertreten.
Die Musiker
Stefan Pöll, aufgewachsen am Chiemsee in Bayern, studierte u.a. am Mozarteum in Salzburg und hat mit dem Kirchenmusik-A-Examen abgeschlossen. Er ist aktuell als Organist in Freiburg tätig und unterrichtet zudem in der dortigen Erzdiözese.
Balàzs Szabò, geboren 1985 in Miskolc, Ungarn, studierte in Budapest, Würzburg, Rom und in Trossingen in der Meisterklasse von Professor Christoph Bossert. Seit 2011 unterrichtet Szabò Orgel an der Franz-Liszt-Musikuniversität Budapest. Er ist Orgelsachverständiger, Harmonium-Experte und durch rege internationale Konzerttätigkeit etabliert.
Hochwertige Instrumente
Als Instrumente standen im Konzert zur Verfügung
- die von Walcker/Ludwigsburg 1940 erbaute und von Steinmann/Vlotho 2010/2011 erweiterte Kirchenorgel
- ein Kawai-Flügel, bereitgestellt vom Klavierverleih List aus Viersen
- sowie ein Kunstharmonium, erbaut 1930 von Johannes Titz aus Schlesien, aus der privaten Instrumentensammlung von Balàzs Szabò.
Entführung in die Klangwelt der Pariser Salonmusik
Einleitend ließen die beiden Musiker die Orgel vierhändig mit einer Fantasie von Mozart ertönen, um sich hernach Klavier und Harmonium zuzuwenden und auf diese selten zu hörende Instrumentenkombination den Schwerpunkt zu legen. Dabei wandelten Pöll und Szabò beileibe nicht auf den Pfaden der Kirchenmusik, sondern entführten die Zuhörer in die Klangwelt der Pariser Salonmusik des 19. Jahrhunders und der Hausmusik, die seinerzeit auf hohem Niveau stattfand. Es erklangen Kompositionen von Franck, Guilmant und Widor; Titel wie Humoresque, Serenade und Nocturne bestimmten das Programm.
Solistisch trat Szabò am Harmonium mit Karg-Elerts hochvirtuosem Totentanz aus Opus 70 hervor und zeigte damit seine Meisterschaft und die vielfältigen Möglichkeiten seines hochwertigen Instruments.
Keine Steigerung mehr möglich?
Doch! Als Finalstück präsentierten die beiden Konzertprofis Les Prèludes, Symphonische Dichtung Nr. 3 von Franz Liszt, ein dramatisches Klangepos, vielschichtig und farbig. Der Flügel donnerte, das vollregistrierte Harmonium setzte den Orchesterpart dagegen und man wähnte sich zeitweise in einem großen Konzertsaal.
Ein außergewöhnliches Konzert - ein denkwürdiger Abend
Nicht enden wollender Beifall nötigte den beiden sympathischen Musikern noch zwei Zugaben ab. Zudem gab es, nein, keine Blumen, sondern Orgel-PLUS-Sekt als Anerkennung.
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